27. Internationales K 70-Treffen 2013 in Gröningen/Bördekreis
(organisiert von Anja und Jens Hemtschak)

Der Begriff "Blühende Landschaften" war vor 23 Jahren "Birne's" (ehemaliger deutscher Bundeskanzler) bildhafte Vision als ökonomische Zukunftsperspektive für die „neuen Bundesländer“.

„Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.“

Dass die angesprochenen "lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger" wenig später über "beleuchtete Wiesen" spotteten und jene Flächen meinten, auf denen Gewerbegebiets-Infrastruktur (Straßen, Straßenlaternen, Kanalisation) gebaut wurde, bevor man Käufer für die Gewerbeflächen hatte – in manchen Gewerbegebieten kamen nie Käufer, weil das Angebot die Nachfrage bei weitem überstieg - soll an dieser Stelle nicht erneut aufgewärmt werden.

Die "Blühenden Landschaften" sollen eher dem bildlichen Einstieg in das Pfingsttreffen des 1. Internationalen K70-Clubs dienen.

Zur Organisation dieser zunehmend beliebten Clubveranstaltung konnte bereits ein Jahr zuvor der bis dahin lediglich der Ost-Quote beiträgliche Jens Hemtschak nebst Familie verpflichtet werden.

Sie wohnen in dem beschaulichen Örtchen Gröningen vor den Toren von Halberstadt. Auch Quedlinburg und Oschersleben liegen ganz in der Nähe - für geografisch völlig Unbegabte könnte man die Gegend mit "nahe Magdeburg" bzw. dem Terrain nordöstlich des Harzes beschreiben.

Am Freitag vor Pfingsten führt für uns der Verkehr auf der Autobahn A2 Richtung Berlin kurz hinter Hannover in einen Stau. Dank dem in meinem K70 verbauten original "VW-Emden" bleibt uns diese Blockade erspart.

Stattdessen teilen wir hilf- und nutzlos auf Umleitungsstrecken das stundenlange Los der anderen hunderttausenden Ausweichwilligen. Wollen die alle nach Gröningen?

Irgendwann erklimmen wir wieder die A2 und können ihr tatsächlich beschwerdefrei bis zur Autobahnabfahrt Marienborn/Helmstedt folgen. Von dort aus lotst uns das Navi querfeldein durch die Provinz - vorbei an bis zum Horizont reichenden, wohlriechenden, weil blühenden Rapsfeldern - die im Verlauf des Treffens immer wieder ins Blickfeld rücken und daher eigentlich sogar zum Titelbild werden müssten. Die leicht hügelige Gegend mit ihren vielen Kurven liegt dem K70.


Deutlich nach der Zeit in Gröningen angekommen, treffen wir auf eine handvoll K70. Deren Insassen sitzen in gemütlicher Runde unter einem Carport an Bierzeltgarnituren und genießen Grillspezialitäten und Getränke - bis in die Dunkelheit.

Wir finden unsere Nachtruhe in einer eigens dafür angemieteten Ferienwohnung knapp 20 Kilometer entfernt. Auf der Fahrt dorhin beobachten wir bereits Wetterleuchten.

Der Samstagmorgen beginnt nass und kalt. In der Nacht ist ein Unwetter über uns hinweg gezogen. Eigentlich sollten wir mit den bereits Angereisten auf dem nahe gelegenen Campinplatz frühstücken - der Weg dorthin gleicht jedoch einer Schlammrennbahn. Grundsätzlich wäre der Zustand dieses Weges dank der Hochbeinigkeit eines K70 keinerlei Hindernis.

Doch ich verstehe mich als Oldtimerfreund. Mein Gefährt ist mir in gewisser Weise heilig - eine wertvolle Goldkette zieht man schließlich auch nicht durch eine Güllegrube (auch wenn ihr das stofflich nicht schaden würde - der Kette!). Wir frühstücken im Bistro an der Tanke!

Um 10.00 Uhr trifft sich die ganze bunte K70-Rotte auf einem Aldi-Parkplatz - neben einem Rapsfeld. Zwischendurch nässt es vom Himmel - keine feine Begrüßung durch das sächsisch-anhaltinische Wetter!

Schließlich setzen sich siebzehn K70 und ein paar "Fremdfahrzeuge" in Bewegung. Der heutige Tag steht im Zeichen von Erich Honecker und Konsorten - es gießt in Strömen, als wir vor der Ostalgiekantine in Oschersleben "anlegen". Im Angedenken ostzonaler Zeiten lassen hier ein paar Vergangenheitsselige die DDR weiterleben. Es sind viele Gegenstände des (damals) täglichen Lebens zusammengetragen und ausgestellt. Die DDR-typisch tapezierten Wände zieren - wie damals - Bilder von Erich Honecker, Egon Krenz aber auch Lenin, Stalin oder Gorbatschow. In den Ecken stehen Ostfahnen, auf einem Plakat ist der Fahneneid der Nationalen Volksarmee zu lesen. Die eigentliche "Kantine" bietet osttypische Gerichte und Getränke zu ebensolchen Preisen. Die von weit Angereisten urteilen daher auch einhellig: es schmeckt gut und ist günstig! Die schließlich im Außenbereich zu besichtigenden Fahrzeuge von Militär, Polizei, Feuerwehr und Rotem Kreuz finden infolge der ausfallenden Luftfeuchtigkeit weniger Beachtung.


Es geht Richtung Marienborn an den gleichnamigen ehemaligen Kontrollpunkt der innerdeutschen Grenze. Ein Teil dieser Anlage ist mittlerweile als Denkmal bzw. Museum eingerichtet.

Die Führung - es ist natürlich ein netter Fachkundiger gemeint, denn das sozialistische Machtkollektiv ist bekanntlich längst demoliert und demontiert - erlaubt uns tiefe Einblicke in die jahrzehntelangen Machenschaften des sozialistischen Regims der DDR. Unglaublich, mit welch hinterhältigen, fiesen Mitteln die Menschen dies- und jenseits des eisernen Vorhangs gequält, belästigt, drangsaliert und malträtiert wurden. Das Wetter passt indessen noch immer zum Thema! Wenigstens stehen die Fahrzeuge unter den Dächern der LKW-Abfertigung der ehemaligen Grenzanlage im Trockenen. Aber es weht ein eisiger Wind aus Osten - wie treffend!

Wir treten den Rückzug an, streifen dabei ein wenig über alte Grenzerwege, halten noch an alten, aber gut erhaltenen Grenzanlagen mit Todesstreifen und Panzersperren in Hötensleben. Schließlich kurven wir zurück nach Gröningen. Dort hoffen Lauffaule (in meinem Auto) darauf, dass die Matschpiste zum Campingplatz etwas abgetrockneter ist. An ihrem anderen Ende lockt nämlich eine Grillparty mit Live-Musik im Zelt. Die Matschpampe hatte zwar den ganzen Tag Zeit, diese jedoch kaum zum Abtrocknen genutzt. In Ermangelung an Gummistiefeln lasse ich mich also breitschlagen und mißbrauche mein geliebtes Altblech zum Schlickrutschen. What a mess!

Dieser Einsatz erweist sich leider aus meiner Sicht als unverhältnismäßig. Das anfangs trotz hungrigen Andrangs von lediglich einer Grillmasterin vollendete Grillgut landet nur sehr zögerlich auf den Tellern. Das anschließende Bezahlen ist der ebenfalls einsamen und überforderten Kassiererin unwichtiger als die Zubereitung von Pommes frites und Mixgetränken - mittlerweile verwelkt meine Bratwurst in der Kälte und auch das Schnitzel könnte auf dem Grill eine weitere Aufwärmrunde drehen.

Doch nicht nur diesen Lebensmitteln macht die Umgebungskälte zu schaffen. Auch meine Gemahlin beschwert sich über Eisbeine - die Sonne hatte heute eben nicht viele Chancen, die Luft pfingstlich zu erwärmen. Nun ist sie weg (die Sonne) - und trotz fetziger Musik der sehr bemühten und wirklich guten Band, zieht ein eiskalter Hauch durchs allerorten geöffnete Zelt. Auch in meinen Beinen spüre ich Kälte - Schade! Time to say goodbye!

 

Es pladdert, gurgelt und gluckert sehr lustig, als wir den Matschweg zurück fahren. Wieder auf zivilisiertem Untergrund und etwas höherer Geschwindigkeit verlässt die Tonkolloide des Schlammes aufgrund der zunehmenden Zentrifugalkraft die ihnen eigene Adhäsionskraft - sprich: hinter uns fliegt die ganze Scheisse meterhoch durch die Luft... oder unter das mühsam gepflegte Blech meines K70... Grummel! Denkt von mir, was ihr wollt - mittlerweile ist es nach 22.00 Uhr - wo ist die nächste Waschbox? Diese finde ich schließlich im fünfunddreißig Kilometer entfernten Magdeburg (siehste - war'n wir auch mal in Magdeburg!). Mein Auto ist wieder sauber und ich kann gut schlafen.

Der Sonntagmorgen beginnt wohlweißlich wieder im Bistro der Tanke. Komisch - recht früh kreuzen hier K70-Fahrer auf und erkundigen sich nach der Möglichkeit einen Hochdruckreiniger benutzen zu dürfen. Diese Tatsache lasse ich jetzt einfach mal kommentarlos wirken!

Die Sonne scheint. So sieht die Welt doch schon ganz anders aus! Heute wollen wir uns die Harzer-Bike-Schmiede anschauen. Darunter kann ich mir nur wenig vorstellen. In der Vorankündigung des Treffens war die Rede vom größten Motorrad der Welt - ich bin auch Motorradfahrer, also muß ich das sehen! Auf dem Weg in den Harz gibt es Ausfälle. Ein "Fremdfahrzeug" schwächelt und auch ein K70 befindet sich plötzlich im Schlepptau. Der Parkplatz im Hof der Schmiede wird demzufolge zur Reparaturwerkstatt.

Doch zunächst tauchen wir ab in die verrückte Welt der Bike-Schmiede. Das Lebensmotto dieser wilden Truppe ist, dass man nicht gleich alles wegschmeissen soll, wenn es defekt ist. Entweder es läßt sich reparieren oder möglicherweise später anders einsetzen. Mit dieser Einstellung haben sie (und viele andere Menschen) bereits skurile Gegenstände, Maschinen, Fahrzeuge geschaffen - die sie auf ihrem Gelände und in ihren Gebäuden in Zilly zur Schau stellen. Da die Grundlage dieser Basteleien wohl zunächst (von mir so genannte) DDR-Custom-Bikes (also mit eigenen Mitteln und in Eigenregie erfundene und gebaute Motorräder wärend der DDR-Zeit) waren, erklärt sich der Name. Sie sind somit eine ähnlich durchgeknallte Spezies, wie die während des letzten Pfingsttreffens im Westerwald besuchten (aber leider nicht persönlich angetroffenen) Schrottplatzbrüder Ludolfs - nur halt irgendwie anders! Und auch wir K70- Fahrer und -Eigner haben mit ihnen etwas gemein: die Liebe zum Alten, Gebrauchten. Neu ist halt nicht unbedingt immer auch besser!

Das absolute Highlight der Harzer-Bike-Schmiede ist jedoch fraglos das von ihnen selbst erfundene und gebaute, größte Motorrad der Welt. Mit diesem Monster halten die Tüftler aus Zilly einen ins Guinnesbuch der Rekorde eingetragenen Weltrekord. Der gigantische 1000-PS-Panzermotor macht das Gefährt zu einem fast fünf Tonnen schweren Ungetüm. Ein Starten des Motors bedarf mehrerer Stunden Vorbereitungen (Vorwärmen, Befüllen etc.).

Seinen Lauf konnten wir daher leider nicht erleben. Wohl aber die Geräuschkulisse der direkt daneben stehenden "Big Mama", einem Motorrad mit luftgekühlten V8-Tatra-Motor - ein Muß für Freunde eindrucksvollen Motorsounds.

 

Herzliches Dankeschön an den Organisator

Doch auch der K70-Club überrascht das Team der Bike-Schmiede (wahrscheinlich mit einem neuen Rekord?). Als nämlich der Strom der K70-Enthusiasten beim Rühreiessen erst nach unglaublichen 175 Eiern endet. Diese Masse an gerührtem Ei verteilt sich schließlich wieder durch Fahrer und Mitfahrer auf die mitgebrachten Fahrzeuge aus salzgitteraner Produktion - die, nun etwas schwerer, bei schönstem Sonnenschein wieder entlang der gelben Rapsfelder Richtung Gröningen rollen.

Dort gibt es vor und in "Charly's Bistro" endlich wieder zu Essen und Trinken. Bei guten Gesprächen sitzen wir bis in die Nacht hinein..

Der letzte Tag des Pfingsttreffens beginnt, nach dem üblichen Frühstück, wettermäßig zunächst wieder etwas grauer bei jedoch immernoch reichlich guter Beteiligung der Teilnehmer.

Heute wollen Einige in die Luft gehen: wir sind auf dem nahen Flugplatz Ballenstedt angemeldet. Dort wartet eine Antonow AN-2, ein Doppeldecker, zu einem viertelstündigen Rundflug über Vorharz und Harz zu einem Spezialpreis für den K70-Club. Als wir unsere Wagen dort parken scheint die Sonne, es zeigt sich großflächig blauer Himmel und der Horizont ist klar. Bis auf eine steife Brise aus Westen sind das optimale Bedingungen. Dementsprechend wird dieses Erlebnis natürlich auch ein großer Erfolg.

Dieses und die letzten sechs Fotos der Bildershow:
Bertram Plischke * Individualfotografie * www.bertramplischke.de

Nach einem großen Fotoshooting mit den noch vorhandenen Fahrzeugen vor dem historischen Doppeldecker klingt dieses Treffen aus. Familie Hemtschak ist ein wirklich ansprechendes, stets kurzweiliges Programm gelungen. Sie haben uns ihre Heimat sehr liebevoll vorgestellt. Der Matsch ist Schnee von gestern, das Wetter nicht berechenbar (und nachträglich betrachtet über weite Strecken doch eigentlich noch ganz okay). Fazit: tolles Treffen - vielen Dank!

 

Text und Fotos:© Andreas Kernke

 
   

 

Bilder vom Treffen
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