23. Internationales K 70-Treffen 2009 in Rosbach vor der Höhe, Hessen

2009 – die Welt in der Krise.
Was ist Geld in dieser modernen Zeit für jeden Einzelnen noch wert, wenn Banker damit spielen? Einstmals sprach man davon, dass die Welt immer mehr zusammenrückt. Momentan trennen die Menschen Welten vom großen Zusammensein. Selbst der Urlaub in ferne Länder rückt angesichts des finanziellen Bankrotts der Menschheit in ebenso ferne Weiten. Neuerdings traut der Finanzjongleur nicht mehr dem Baren – er sucht Beständigeres...ausgerechnet Oldtimer sollen der wahre Wert der Zukunft sein.

Nun, wir haben den Schlüssel zu unserer Glückseligkeit gefunden. Wenigstens für ein paar Tage, wie dieses Jahr auch wieder zu Pfingsten. Allerdings verschleiert unseren Blick nicht der schnöde Mammon, den man mit unseren VW K 70 wahrscheinlich sowieso nicht machen kann. Wir erfreuen uns vielmehr der Grundfunktion unseres Sammelobjekts – dem Fahren damit – und erweitern es zu sozialen Zwecken. Wir besuchen uns damit gegenseitig und bereiten uns, und immer wieder auch anderen, gerne eine Freude. Dabei muss man feststellen, dass unsere Welt auch ohne Orte wie New York, Rio de Janeiro, Melbourne, Tokio, Palma de Mallorca oder neuerdings auch Moskau schön sein kann. Und das Tolle daran ist, dass sie im Gegensatz zu den Distanzen zu den genannten Metropolen, direkt vor unserer Haustür und im eigenen Land liegen.

Der Treffpunkt zum diesjährigen Pfingsttreffen liegt laut Ankündigung ziemlich zentral, mitten in Deutschland. Genauer gesagt in der Äppelwoi-Zone von Hessen. Glücklicherweise ist die Autobahnabfahrt „Friedberg“ an der A5 mit dem Zusatz „Rosbach“ erweitert, so dass wir es gut finden können. Dank der Vorbereitung durch unser Organisations-Ehepaar Ellinger, bestehend aus Veronika und Wilfried, finden wir unseren Bestimmungsort ohne nennenswerte Probleme. Allerdings gute vier Stunden zu spät. Das hat zur Folge, dass wir den „Rest“ der K 70-Club-Besatzung in einem Bürgerhaus erst nach einigen Recherchen aufspüren können. Aber sei´s drum – wir K 70-Jünger finden irgendwie immer zusammen.
Nach einer guten Nacht im Wohnwagen in der Einfahrt von Ellingers starten wir zum ersten großen Aufeinandertreffen aller K-70-Besatzungs-Mann- und Frauschaften auf einem großen Schotterplatz vor der Sporthalle in Rosbach. Ein gutes Dutzend unserer inzwischen seltenen als auch in die Jahre gekommenen Boliden haben 26 Vergnügungssüchtige herangeschafft. Einer der Ältesten in der Runde hatte seinen VW K 70 im heimischen Ruhrgebiet in der Garage mit einem NSU RO 80 verwechselt und präsentierte nun dementsprechend stolz das ehedem mit unserem Modell verwandte Wankel-Gefährt. Unser erstes gemeinsames Ziel heisst nun „Flughafen Frankfurt“. Über breite Autobahnen, Zubringer und die üblichen Straßen amerikanischen Ausmaßes in und um Frankfurt herum, gestaltet sich die Fahrt im Konvoi zunächst etwas ungelenk dann aber zielstrebig und erfolgsorientiert. Auf dem Parkplatz vor den „Flughafen Erlebnisfahrten“ dürfen wir unserem Flughafen-Entertainer (oder auch Führer) zunächst mal unsere Fahrzeuge auf einem goldenen Tablett präsentieren (das erklärt auch die atemberaubende Miete für die 7,5 qm eines K 70 ). Dieser Preis ist jedoch erst der Beginn eines Reigens atemberaubender Zahlen und Fakten in Verbindung mit dem Airport. Bevor wir jedoch nach einer an einem Airport üblichen Leibesvisitation im Bus über das Gelände gekarrt werden, beobachte ich den Transport eines Audi R8 auf einem Tieflader. Offensichtlich handelt es sich hier um die Anlieferung dieses edlen Gefährts zwecks Beförderung und Überführung mit einem Flugzeug zu seinem zukünftigen Besitzer. Kurz bevor der Wagen nun im Cargo-Bereich des Airports verschwindet, kann ich mich mit meinem K 70 von hinten heranschleichen und meinem betagten Wagen die direkte Anwesenheit dieses edlen Gefährts (quasi Blech an Alu) ermöglichen. Allein eine Gemeinsamkeiten beider Fahrzeuge sollte diese Aktion rechtfertigen: ihre Entstehungsgeschichte begann in Neckarsulm. Übrigens auch ein Grund, warum ich im zivilen Leben einen Audi A 2 fahre...aber das ist ein ganz anderes Thema. Neckarsulm for ever! Nun werden wir also von unserem „Blues Brother“-Entertainer (die dunkle Sonnenbrille hat er auch später in der dunklen Fahrzeughalle der Feuerwache nicht abgelegt!) in wirklich ausgezeichnet unterhaltender Weise eineinhalb Stunden über den riesigen Flughafen geleitet. Die sowieso schon teure Bankenstadt Frankfurt zeigt sich am Flughafen von der superlativen Seite. Ob die von diesem Ort des internationalen Verkehrs bedeckte Fläche, die Anzahl der täglich an- und abfliegenden Flugzeuge, die Menge und das Gewicht der dort transportierten Waren oder aber der Vorrat des dort gelagerten Flugzeugtreibstoffes, dem Verbrauch eines startenden Jumbo-Jets oder der unglaublichen Zahl der an diesem Projekt beteiligten Beschäftigten, den Kosten für alle möglichen und geplanten Dinge - nach diesem eindrucksvollen Einblick in die internationale Welt der Fliegerei ist einem schwindelig von meistens vielstelligen Zahlen. Bei diesen Gelegenheiten stelle ich jedenfalls immer fest, dass ich gern ein Landei bin. Sicherlich ist eine gewisse allgemeine Betriebsamkeit vonnöten – mich würde die erlebte Unruhe und Hektik aber langfristig krank machen. Dementsprechend genieße ich dann die anschließende Fahrt über Königstein durch den Taunus zum Großen Feldberg in die ruhige Höhe von 881,5 m ü.NN. Nach dem gemeinsamen Essen gibt es noch ein paar Benzingespräche, anschließend löst sich die Versammlung auf. Zurück in Rosbach gibt es noch ein zünftiges Sit-in mit Katja, Andre sowie Petra, Manfred und Christian bei unseren Gastgebern Veronika und Wilfried. Auch die aus Frankreich angereisten K 70-Piloten sind in dieser Runde vertreten. Am Sonntag morgen stehen bei strahlendem Sonnenschein fünfzehn K 70 auf dem Parkplatz vor der Sporthalle in Rosbach zur angekündigten Rundfahrt durch den Taunus bereit. Dazu stoßen auch noch Dirk aus Heidelberg (mit seinem Passat), Peter aus Münster (Golf) sowie Ingo aus Schermbeck.
Die Ausfahrt durch die sanften Hügel und die kurvige Strecke des beschaulichen Taunus ist wieder ein Highlight des Treffens. Vorläufiger Zielpunkt des Vormittags ist das idyllisch gelegene Schloss Braunfels. Bei der Ankunft auf dem Parkplatz am Fuß der Burg stehen dort drei Kameras mit großkalibrigen Objektiven. Sie sind auf einen Uhu in den Bäumen über unseren Autos gerichtet. Knapp eine Stunde führt uns ein kompetenter Schlossführer durch zahlreiche Räume. Seit 800 Jahren im Familienbesitz ist das Schloss ein lebendiges Kulturdenkmal, reich an ganz besonderen Kunstschätzen und auch heute noch von der Familie bewohnt. Nach erneuten 70 Kilometern erreichen wir nachmittags das „Äbbelwoi Stübche“ in Nieder-Erlenbach. Dieses Lokal wurde als typisch hessische Apfelweinweinwirtschaft mit Apfelweingarten angekündigt. Bei sonnigem Wetter sitzen alle K 70-Fahrer im Freien und lassen sich bei angeregten Gesprächen, hessischen Spezialitäten und teilweise



auch Äppelwöi den Nachmittag um die Ohren wehen. Beim Abrechnen gerät Olivia mit dem Ober aneinander – eine Bratwurst wurde mit 5,50 EUR berechnet. Mir fallen wieder die vielstelligen Zahlen vom Frankfurter Airport ein. Frankfurt ist halt eine Gegend, in der die Banker das Gefühl für Geld und Wert nachhaltig negativ beeinflusst haben – normal sind umgerechnet 11,- Mark für eine einzelne Bratwurst nicht! Die ersten Teilnehmer des diesjährigen Pfingsttreffens verabschieden sich schon nach Hause. Den Tag lassen wir wieder bei Ellingers in Rosbach ausklingen. Dabei begleitet uns das Ehepaar mit dem blauen 73er aus Salzgitter. Ganze acht Fahrzeuge finden sich am Montagmorgen noch auf dem üblichen Parkplatz ein.






Da auch Josef Wasmuth und Frau nach Hause aufbrechen, wird ihm von Wilfried die K 70-Club-Wanderhupe zurück gegeben. Nur noch vier Fahrzeuge halten die K 70-Fahne bis zum späten Nachmittag aufrecht. Wir einigen uns als letztes Ziel auf den Besuch des Römer Castells Saalburg. Auf dieser Zeitreise können wir uns ein anschauliches und lebendiges Bild von der Geschichte, Kultur und Lebensart einer Epoche machen, die nahezu 2000 Jahre zurückliegt, deren Erbe aber heute noch gegenwärtig ist. Der Rundgang durch die parkartige Anlage in der herrlichen Taunuslandschaft macht unseren Besuch zu einem angenehmen und erholsamen Erlebnis. Nun endet so langsam auch für uns das 2009er Pfingsttreffen des K 70-Clubs. Ellingers laden uns noch zum Grillen auf ihre Terrasse ein. Nach der ärgerlichen Sache mit der überteuerten Bratwurst in Nieder-Erlenbach haben die Beiden bewiesen, dass es auch günstiger und obendrein noch viel leckerer geht. Unterstützung erhalten wir dabei noch von Edelgard und


Manfred Schmidt aus Langenfeld (NSU RO 80). Nachdem wir uns nun ausgiebig gestärkt haben, treten auch wir gegen 18.30 Uhr schweren Herzens den Heimweg an. Diese schönen Wochenenden und Treffen gehen immer viel zu schnell vorüber. Dass man dabei so gastfreundliche und liebe Menschen wie Veronika und Wilfried Ellinger kennen lernt, macht den Abschied nicht gerade leichter.











Text: und Fotos: Andreas Kernke


Bilder vom Treffen
     
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